Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Courage

Handlung

Bei "Courage" handelt es sich um ein serielles Format der deutschen Wrestling-Liga 'German Wrestling Federation. Jede der ca. vierzigminütigen Folgen umfasst filmisches Material in Form der vor Publikum aufgezeichneten 'Ring-Kämpfe' sowie zusätzliche pseudo-authentische Sequenzen, die als Rahmenhandlung für diese 'Matches' inszeniert werden. Diese letztgenannten Einspieler dienen dazu, bestimmte Rivalitäten zwischen den Kämpfern zu beleuchten bzw. für das Publikum transparent zu machen. 

Anmerkungen


"Courage" ist nicht als Webserie im engeren Sinne zu klassifizieren: Die einzelnen Folgen umfassen eine Spieldauer von fast einer vollen Stunde, zudem ist die Handlung der Serie zwar 'fiktional', der Großteil einer jeden Folge besteht jedoch aus den live aufgezeichneten Kämpfen der Wrestler, diese Segmente sind am treffendsten als 'Sports-Entertainment' zu bezeichen.
Insbesondere die Einspieler zwischen den Kämpfen sind professionell produziert und können qualitativ (Kamera- und Schnitttechnik) durchaus mit vielen anderen deutschen Webserien mithalten. Die Überblendungen von faktualen Inhalten und gescripteten Inszenierungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Kämpfe im Ring, sondern ergeben sich auch im Zusammenspiel mit der Rahmenhandlung: Im Stile eines Video-Blogs wird durch die letztgenannten Sequenzen von einzelnen Wrestlern berichtet und dabei auf verschiedene Authentizitäts-Marker, wie beispielsweise Handkameraeffekte, zurückgegriffen. Die Wrestlig-Serie ist dabei trotz des hohen Produktions-Niveaus  in erster Linie nur etwas für Fans der Sportart.


Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6 (Stand: 20.01.2017, die Staffel wird derzeit fortgeführt)
Episodenlänge: ca. 40-120 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Creator und Regie: German Wrestling Federation
Jahr: 2016-2017
Genre: Pseudo-Authentisch
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/playlist?list=PL7oUdQScYXSDHBhCUoWVAbwCOwpBmS0qa

Andreas Veits, 08.02.2016

Super Power Beat Down [ENG]


Handlung


In den ‚fiktionalen Universen‘ des Superhelden-Comics, des Fantasy- und des Science-Fiction-Films sind es die spezifischen, übersinnlich-metaphysischen Fertigkeiten, welche Protagonisten und Antagonisten – oftmals durch kriegerische Auseinandersetzungen – in ihrer jeweiligen Rolle exponieren und auf den Entwicklungsprozess der Geschichte Einfluss nehmen. Super Power Beat Down führt die legendären Helden und Antihelden verschiedener ‚Fiktionskosmen‘ (wie beispielsweise Darth Vader, Superman, Wolverine etc.) in einem neuen zusammen und lässt zwei von ihnen – Kraft ihrer jeweiligen Spezialfertigkeiten – in einer kriegerisch-offensiven Konfrontation gegeneinander antreten. Jeder Zweikampf wird von einer Moderation (Marisha Ray) und einem Faktencheck zu den betreffenden Figuren (Damian Beurer, Andy Liegl, vereinzelt weitere Experten der Medienbranche) gerahmt. So wird in Super Power Beat Down weniger eine episodenübergreifende Geschichte bzw. Handlung vermittelt, sondern einzelne Auseinandersetzungen zwischen fiktionalen Figuren der Populärkultur inszeniert.

Genre


Super Power Beat Down dezidiert einer Gattung und einem konkreten Genre zuzuordnen, würde der Webserie insofern nicht gerecht, als dass sich auf beiden Klassifikationsebenen Hybridformen abzeichnen: Das Kernelement der Serie, der ‚Showdown‘, ist als kurze Spielfilmsequenz realisiert, in welcher die zwei Legendenfiguren entsprechend ihren Charaktereigenschaften und Fähigkeiten die Kampfhandlung vorantreiben. Die Mise-en-Scène auf der einen Seite, die Kostümierung und der sprachliche Ausdruck der Figuren auf der anderen Seite, verweisen dabei mehr oder minder eindeutig auf jene Comic- und Filmwelten, aus denen die Figuren ursprünglich hervorgegangen sind (intermediale Bezüge). Hier wird in ebendieser Kombination zweier Figuren aus unterschiedlichen Medienkontexten ein eigener, von der vorfilmischen Realität abgekoppelter ‚Fiktionsraum‘ geschaffen. Wenn auch Science-Fiction-Elemente in den Spielfilmsequenzen dominieren (Figuren, Setting, Objekte etc.), zeichnet sich in den effektgeladen Kampfhandlungen vor allem Action und expressive Gewalt ab. Neben Überspitzungen, Ironisierungen und überraschenen Twists, sind die filmischen Sequenzen vereinzelt von karikierend-komödiantischen Impulsen geprägt. Die Spielfilmsequenzen bewegen sich folglich im genrehybriden Spannungsfeld zwischen Science-Fiction, Action und Komödie (vgl. z. B. Episode 4 und Episode 14).

Von der Inszenierung der ‚Kämpfe’ ist vor allem die rahmende Moderation und der ‚Faktencheck’ zu unterscheiden: Durch die gezielte Hinwendung der Moderatoren und Experten zum rezipierenden Publikum wird hier eine Kommunikationssituation etabliert, die eine dialogische Struktur zwischen innerbildlichen Kommunikatoren und extrabildlichen Adressaten suggeriert. Dabei sind die Kommunikatoren selbst Teil der vorfilmischen Realität und bauen durch die moderierend-debattierende Auseinandersetzung mit dem Kulturgut Comic und Film Verbindungslinien zu dieser auf. Die auf diese Weise geschaffene Authentizität findet sich mitunter auch durch den Bezug zu realexistierenden Schauplätzen, – wie dem Comic-Geschäft „Collectors Paradise“, welches in einigen Folgen als ‚Studio’ genutzt wird – wieder. Im Feld der Gattung folgt die Webserie hierbei eher einer dokumentierenden Logik, die durch die Verknüpfung von Moderation, Faktenpräsentation und anschließendem Wettkampf eine klare Nähe zum Format der TV-Show aufbaut (vgl. Wulff 2012). Vor dem Hintergrund, dass in Super Power Beat Down Faktuales und Fiktionales, Gattungen und Genres derart miteinander vermengt und ineinander überführt werden, ließe sich von einer Art Gattungs- und Genrehybrid sprechen.

Dramaturgie und narrative Struktur


Der Konvention einer TV-Show folgend, zeigt sich die Webserie einer linearen, sich in jeder Episode wiederholenden Aneinanderreihung einzelner ‚Attraktionen’/,Nummern‘ verpflichtet (vgl. Wulff 2012). Beginnen mit der einleitenden Anmoderation von Marisha Ray (1.), zählen Damian Beurer und Andy Liegl im Folgenden Pro- und Contra-Argumente für einen möglichen Gewinn einer der beiden, gegeneinander kämpfenden Charaktere auf (2.a). Meist ist dies durch grafische Inserts, die einzelnen Argumente auflistend, sowie Bildmaterial der Figuren aus Comic und Film unterstützt. Seit der siebten Episode wird dieser Faktencheck durch vorgeschaltete Meinungsinterviews mit Teilnehmern auf Comic- und Computerspielmessen ergänzt oder gar ersetzt (2.b). Charakteristisch für diesen Teil ist der gänzliche Ausschluss künstlicher Lichtquellen und Farbeffekten wie die durchgehende Aufnahme mit Handkameras.
Jede einzelne ‚Nummer‘ der Webserie ist durch ein Zwischenbild im Stile lautmalerischer Comicsprechblasen und einen klanglichen ‚Tusch‘ abgegrenzt. Hingegen wird der Wettkampf (3.) durch das Ausstrecken der geballten Faust von Moderation und Experten – gekoppelt an eine luminanzsteigernde, additive Überblendung – gewissermaßen aktivierend eingeleitet. Die Kampfsituation wird dabei in kräftigen Farben, fließenden Kamerabewegungen, phantastischen Figurationen und Settings dargestellt und dabei, von orchestral-heroischer Musik untermalt. Zusätzlich wird durch Textinserts, die zu Beginn die Namen der beiden Gegner am Bildschirmrand zeigen, an die Ästhetik von Zweikampf-Computerspielen, sogenannten Beat-em-up‘s (vgl. Decker 2005, 29 und 107) angeknüpft.

Zwar können die Rezipienten – anders als in derartigen Videospielen – keinen direkten Einfluss auf die Kampfhandlungen der Figuren nehmen, jedoch entscheiden sie über den finalen Sieger: Jede Episode von Super Power Beat Down schließt mit der Aufforderung an die Zuschauer, für den möglichen Gewinner der festgelegten Figurengegenüberstellung der nächsten Episode abzustimmen. Dem Mehrheitsprinzip folgend, gewinnt in der fiktionalen Spielfilmsequenz jeder Episode schließlich jene Figur, welche im Vorfeld die meisten Stimmen durch die Rezipienten erhalten hat. So kommt dem Publikum eine entscheidende Funktion zu: Es determiniert durch die Teilnahme am Abstimmungsverfahren interaktiv das Ziel bzw. den Sieger des Grundgeschehens (Showdown). Darüber hinaus ist es dem Publikum prinzipiell möglich, sich über das Kontaktfeld auf der Website oder über Facebook Figurengegenüberstellungen zu wünschen. Jede einzelne Episode der Webserie basiert insofern auf einem ‚Dialogverfahren‘ mit den Rezpierenden.

Zur interaktiven Rolle der Rezipienten trägt auch die Tatsache bei, dass die Experten bis zum Ende der Spielfilmsequenz den Anschein erwecken, selbst nicht über den Ausgang des Kampfes informiert zu sein. So bewerten die Experten allein auf Basis ihres generellen Comic- und Filmwissens vorab die gegeneinander antretenden Charaktere und debattieren über den möglichen Gewinner. Ein direkter Umschnitt markiert den Sprung von der actionreichen Spielfilmsequenz zurück in die Studio-Situation, sobald der Sieger aus der Sequenz hervorgegangen ist. Erst zu diesem Zeitpunkt wird das Ergebnis der Online-Abstimmung der Rezipienten durch eine Grafik im Comicstil bekanntgegeben (4.a). Mit einem Hinweis auf die vorhergehende und nachfolgende Episode (oft durch visuelle Sequenzausschnitte als Bild im Bild realisiert), der Aufforderung über die Website abzustimmen sowie der Bitte, die Webserie auf Facebook und YouTube zu ‚liken‘, endet die jeweilige Episode. In einzelnen Fällen ist allerdings eine prägnante, kurze Sequenz aus dem fiktionalen Showdown nachgeschaltet (5a), die meist komödiantischer-persiflierender Natur ist. Waren die Experten in den ersten Episoden noch verpflichtet, für ihre mögliche Fehlprognose des Kampfverlaufs durch Ausgleichshandlungen einzustehen (5.b) (vgl. beispielsweise das Ende von Episode 4), so hat sich seit der Episode 10 vielmehr die Verfügbarkeit eines alternativen Endes der fiktionalen Spielfilmsequenz etabliert. Dieses ist durch einen eingeblendeten Button am Ende des Wettkampfes abrufbar (4.b).

So sehr Super Power Beat Down einer linearen ‚Nummerndramaturgie‘ folgt – die sich in ihrem Spannungsgehalt durch den Vorbehalt der Informationen über den finalen Siegers potenziert –, so sehr sind die Rezipienten das ‚zentrale Integral‘ der narrativen Prozesse in der Webserie. Ebendiese Interaktivität, die Möglichkeit eben nicht allein über soziale Medien zu kommentieren, durch Links auf vorhergehende und folgende Episoden zuzugreifen und sich per E-Mail an die Produzenten wenden zu können, sondern mittels Abstimmungsverfahren den Sieger zweier, wettstreitenden Comic- und Filmlegende mit zu bestimmen und ggf. über ein alternatives Sequenzende gar ‚heraufbeschwören‘ zu können, genau dies macht den Charme von Super Power Beat Down aus.

Rezeption


Super Power Beat Down wird seit 2012 von Bat in the Sun (Aaron und Sean Schoenke) und Machinima produziert und exklusiv über YouTube verbreitet. Die einzelnen Episoden zählen auf YouTube zwischen einer und vier Millionen ‚Klicks‘, der Kanal von Bat in the Sun selbst ist von rund einer Millionen YouTube Nutzern abonniert. Neuigkeiten von und über die laufende Produktion werden mittels Twitter-Account und Facebook der Öffentlichkeit nahegebracht, wobei vor allem via Facebook Bild- und Videomaterial von der Arbeit hinter den Kulissen präsentiert wird. Die sozialen Netzwerke bilden einen gewissen Rahmen, welcher die auf YouTube veröffentlichen Episoden kontextualisiert. Diese Strategie erinnert an bekannte TV-Sender, die ihren Zuschauern im Netz zusätzlich Inhalte zu ihren Lieblingsfernsehsendungen anbieten. Ein solch standardisiertes Prinzip schafft zwar Orientierung und Vertrauen in Nutzung und Rezeption, doch bleibt abzuwarten, ob sich dieser Ansatz – auch vor dem Hintergrund der linearen Nummerndramaturgie der Webserie – nicht erschöpfen wird.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 16
Episodenlänge: 4 – 16 min. [Ø 9:10 min.]
Erscheinungsrhythmus: monatlich
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Regie: Aaron Schoenke
Produktion: Bat in the Sun / Machinima Productions
Jahr: 2012 – 2014
Genre: Sciene-Fiction, Action, Comedy
Abrufbar unter:
Super Power Beat Down (YouTube) [https://www.youtube.com/playlist?list=PL6F730F85FA7C34C2]
(Zugriff: 12.07.2015)
Sonstige Quellen:
Super Power Beat Down (Website)
Super Power Beat Down (Facebook)
Bat in the Sun (Twitter)

Sekundärliteratur:

Decker, Markus (2005): Jugendschutz und neue Medien. Grundfragen des Ju-
gendmedienschutzes in den Bereichen Bildschirmspiele und Internet. Münster:
Waxmann.

Kuhn, Markus (2011): Filmnarratologie. Ein erzähltheoretisches Analysemodell. Berlin: De Gruyter.
Wulff, Hans-Jürgen (2012): „Show“ In: Hans-Jürgen Wulff (Hg.): Lexikon der Filmbegriffe. Kiel: Chrisitan-Albrechts-Universität zu Kiel, online verfügbar unter http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=336 [http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=336]. (Zugriff: 13.07.2015).

Jurij Abegg,

Fett und Fett

Handlung

„Fett und Fett“ zeigt das Leben eines Endzwanzigers, der von einem Missgeschick in das nächste stolpert und laut eigener Aussage an einem Punkt angekommen ist, an dem nur vier Sachen Spaß machen: „Essen, Frauen, Geld und Saufen. Aber Frauen und Geld sind schwierig, also wirst du fett und besoffen“, erzählt Jaksch am Anfang der ersten Episode – und lässt sich deswegen einfach durch das Leben treiben.

Anmerkung

Der Süddeutschen Zeitung verraten die Kreativen hinter dem Konzept, die Filmstudenten Chiara Grabmayr und Jakob Schreier, dass sie ohne Skript drehen und stattdessen auf Laiendarsteller und Improvisation setzen. Tatsächlich lebt diese Webserie von der Ungezwungenheit des Protagonisten und der Leichtigkeit der gezeigten Alltagsimpressionen, die zwar an manchen Stellen erzählerisch und technisch ausgereifter sein könnten, jedoch die Vertreter der Y-Generation insgesamt unverhüllt und glaubhaft porträtieren.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 4 (Stand: 20.01.2017, die Staffel wird derzeit fortgeführt)
Episodenlänge: ca. 10-18 Minuten
Zuerst gezeigt auf: vimeo.com
Creator und Regie: Chiara Grabmayr und Jakob Schreier
Jahr: 2016-2017
Genre: Comedy
Abrufbar unter: https://vimeo.com/fettundfett

Sonstige Quellen

Süddeutsche Zeitung
(Zugriff: 20.01.2017)

Maria Malzew, 20.01.2017

Emmas Welt

Handlung

Nachdem Emma ihren Verlobten mit einer anderen erwischt, muss sie nicht nur aus seiner Wohnung ausziehen, sondern auch ihren Job kündigen, denn blöderweise ist der Exfreund auch gleichzeitig ihr Boss. Durch eine Anzeige landet sie in der WG von ihrem Jugendschwarm Tom und wird prompt zu seiner Mitbewohnerin. Im weiteren Verlauf der Serie versucht sie, unterstützt von ihrer besten Freundin Julia, nicht nur ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, sondern auch eine neue Liebe zu finden.

Anmerkung

„Emmas Welt“ ist eine genretypische romantische Komödie mit einer weiblichen Protagonistin, die ein wenig an Bridget Jones erinnert. Emma ist ebenfalls ein wenig übergewichtig, tollpatschig und chaotisch, mehr auf ihr Liebesleben als auf die Karriere fokussiert. Ähnlich wie in Hollywoodfilmen eines solchen Genres setzten die Produzenten auf Emma als Identifikationsfigur, deren Unperfektheit sie in den Augen von überwiegend weiblichen Rezipienten umso liebenswerter machen soll. Tatsächlich wirkt Emma, gespielt und entwickelt von Nicole Fornoff, trotz der vielen Slapstick-Momente der Webserie in Bezug auf ihre Gefühle und Sehnsüchte durchaus authentisch. In der Tradition des Genres sind auch die beiden anderen Figuren inszeniert, deren Handlungen stets auf bewahrte Muster der romantischen Komödie zurückgreifen: Tom als gut aussehender, aber auch einfühlsamer, Macho – und als potenzieller ‚love interest‘ von Emma; Julia als beste Freundin und Emmas ‚Sidekick‘.

Dass die Macher der Serie sich jedoch an die Konventionen des Genres halten, kann der Webserie nicht wirklich vorgeworfen werden. Schließlich sind es grundsätzlich die meisten modernen Liebeskomödien, auch auf der ‚großen‘ Kinoleinwand, die immer wieder auf die gleiche Formel und klischeehafte Situationen setzen. In einem Format der Webserie funktioniert die Mischung aus Slapstick und Romantic Comedy trotzdem dadurch, dass die Folgen kurzweilig und unterhaltsam sind.

Während die Produzenten mit der 1. Staffel durch unterschiedliche Webserien-Festivals touren und nach Sponsoren suchen, ist es zunächst noch offen, ob es eine zweite Staffel wirklich geben wird.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: ca. 4-8 Minuten
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: nerdbird film
Jahr: 2014
Genre: Romantic Comedy
Abrufbar unter: https://www.youtube.com/user/serieemmaswelt

Sonstige Quellen

Emmas Welt Homepage
Emmas Welt Facebook-Seite
(Zugriff: 24.10.2016)

Maria Malzew, 12.12.2016

Deliver me to Hell [NZ]


Handlung


Die Produktion besteht aus insgesamt sechs Episoden, die eine zusammenhängende Handlung ergeben und wurde von einer neuseeländischen Pizza-Firma als Werbemittel in Auftrag gegeben. Deliver me to Hell erzählt dabei vom zuverlässigsten Arbeitnehmer des Unternehmens, dem Pizzalieferanten Steve, der sich selbst von einer ausbrechenden Zombie Apokalypse nicht abhalten lässt, seine Waren auszufahren. Auf dem Weg zu seinen Kundinnen stellen sich Steve durch die menschenfressenden Untoten verschiedene Hindernisse in den Weg. Inhaltlich bietet die Webserie viel Konventionelles, die Handlung ist im Genre der Splatter-Comedy zu verorten. Der Clou der Webserie, die im Internet auch als „Interactive Adventure“ beworben wurde, sind Entscheidungssequenzen, welche die Entwicklung der weiteren Geschichte jeder Folge beeinflussen. Durch das Annotationssystem von YouTube wird in jeder Folge eine bestimmte Eingabe vom User abgefordert, die darüber verfügt, wie Protagonist Steve sich in einer meist lebensbedrohlichen Situation verhalten soll.

Anmerkungen


Im Folgenden wird eine kurze Beschreibung einer Einzelfolge von Deliver Me to Hell gegeben, um darauf aufbauend genauer auf das interaktive Potential der Webserie einzugehen. In der zweiten Episode gelangt Steve mit einem weiteren Überlebenden (Jason) in eine abgelegene Bowling-Bahn und wird von Untoten überrascht. Jason wird von einem Zombie angefallen und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Die Kamera zeigt zum Ende der Folge zuerst eine Nahaufnahme von Steve, der sich mit einem Stuhl bewaffnet hat, um seinem Freund zu helfen. Danach sieht man eine weitere Aufnahme von Jason, wie er sich mit letzter Kraft die angreifenden Zombies vom Leib hält und Steve dazu auffordert, eine der Bowlingkugeln als Schlagwerkzeug einzusetzen, um die Untoten in die Flucht zu schlagen. Danach wird ein Standbild gezeigt, in dessen Mittelpunkt zwei voneinander separierte Texttafeln mit den Worten „USE BOWLINGBALL“ und „USE THE CHAIR“ zu sehen sind. Gleichzeitig ertönt aus dem Off eine Stimme, die die Userinnen auffordert, durch das Anklicken einer der Texttafeln die Aktion auszuwählen, die Steve dann in der Handlung der fiktiven Welt ausführen soll. Nach der Entscheidung wird automatisch auf ein neues Video verlinkt, das die entsprechende Handlung mitsamt den sich aus der getroffenen Auswahl ergebenen Konsequenzen vermittelt. Die Wahlmöglichkeiten sind also relativ eingeschränkt und konzentrieren sich auf die Selektion an einer Einzelstelle der Handlung. Zudem ist die Webserie derart aufgebaut, dass nur eine der Auswahlmöglichkeiten zu einer (langfristigen) Fortsetzung der Erzählung führt. Entscheidet man sich beispielsweise in der oben erwähnten Sequenz dazu, die Texttafel „USE BOWLINGBALL“ anzuklicken, wird man auf ein Video weitergeleitet, das zeigt, wie Jason versehentlich von Steve mit dem Sportgerät am Kopf getroffen wird und schließlich beide von den Zombies gefressen werden. Am Ende dieses Clips wird dann eine Rückblende eingesetzt, die im Schnelldurchlauf die Handlung des Videos rückwärtslaufen lässt und dann wieder mit den Auswahlmöglichkeiten der vorherigen Folge endet. Nach jeder ‚falschen Entscheidung‘ bricht die Handlung der Webserie also nicht ab, sondern die Userinnen werden aufgefordert, ihre Auswahl zu korrigieren, um Steve so vor dem Ableben zu bewahren. Die Webserie operiert somit zwar mit dichotomen Entscheidungssequenzen, es wird durch die audiovisuelle Vermittlung sowie durch die Hypertext-Struktur jedoch eine spezifische feststehende Erzählung kommuniziert, die durch die Userinnen durch ein Trial-and-Error-Verfahren ‚entdeckt’ werden muss. Somit handelt es sich bei Deliver me to Hell um eine Webserie mit einem eher gering ausgeprägten interaktiven Potential, weil die Entscheidungen graduell wenig Einfluss auf die erzählte Welt der Webserie haben.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: min. 3 - 4
Erscheinungsrhythmus: Unregelmäßig
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: HellPizzaNZ
Jahr: 2011
Genre: Interaktiv, Comedy, Horror,
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=9p1yBlV7Ges (Zugriff: 21.11.2016)
Sonstige Quellen:
http://theinspirationroom.com/daily/2010/hell-pizza-zombie-adventure-deliver-me-to-hell/ (Zugriff am 31.03.2016)

Sekundärliteratur:

Andreas Veits. “Telltale Games Series. Zum Verhältnis von seriellen Computerspielen und interaktiven Webserien”, in: C. Benthien/G. Klein (Hgg.): Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen, München: Fink 2017 (im Druck).

Andreas Veits, 21.11.2016
(Dieser Blogeintrag basiert weitgehend auf wissenschaftlichen Arbeiten von Andreas Veits, die unter dem Punkt 'Sekundärliteratur' verzeichnet sind.)

Artistically Challenged

Handlung

In dieser Webserie wird die Geschichte eines erfolglosen Künstlers Nick erzählt, dessen Bild über Nacht berühmt wird. Blöderweise hat Nick das Bild gar nicht selbst gemalt, sondern auf einem Flohmarkt gekauft und seinem Manager aus Frust erzählt, dass es sich dabei um sein neuestes Werk handelt. Die New Yorker Kunstszene hält ihn nun aber für einen Genie – und weil er die Anerkennung und die damit verbundenen finanziellen Vorteile nicht verlieren möchte, darf seine ‚kleine Lüge‘ auf keinen Fall auffliegen.

Anmerkung


„Artistically Challenged“, die ausschließlich über Instagram veröffentlicht wurde, gehört mit ihren 32 Folgen wohl zu den kürzesten Webserien überhaupt: Eine Episode der Serie ist nämlich nur 15 Sekunden lang und die gesamte erste Staffel weist damit die Gesamtlänge von 8 Minuten auf. Mit diesem ungewöhnlichen Format versuchen die Produzenten, eine Gruppe Filmschaffender aus New York, die Möglichkeiten und Grenzen von Instagram, einer Kommunikationsplattform zum Austausch von privaten Fotos und Videos, auszutesten. Ein hoher Produktionsaufwand hinter dem Bild, Ton und der schauspielerischen Leistung der Webserie ist deutlich zu spüren – tatsächlich sind in das Projekt insgesamt 25 Crewmitglieder und 30 Schauspieler involviert.

Grundsätzlich kann man beobachten, dass immer mehr Kreative aus der Film- und Medienbranche Portale wie Snapchat, Instagram und Vine als Distributionsweg für audiovisuelle Erzählungen entdecken, insbesondere nachdem die Anbieter Videofunktionen in ihre Software implementiert haben. Gerade im Bereich des Marketings benutzt man schon länger eine solche direkte Kommunikation mit Nutzern, um sie zu unterhalten und gleichzeitig emotional an die Marke zu binden. Dass diese Strategie durchaus funktionieren kann, zeigen Firmen wie beispielsweise Ikea, Ben&Jerry‘s oder Reebok mit ihren Videoanzeigen. Doch im Gegensatz zu kurzen Marketingclips besteht bei einer (web-)seriellen Erzählung die Schwierigkeit in erster Linie darin, innerhalb kürzester Zeit die Charaktere zu etablieren und die Handlung voranzutreiben. Die ungewöhnlich kurze Dauer der Folgen bedeutet gleichzeitig, dass jede gezeigte Sekunde für die Erzählung wichtig sein muss.

„Artistically Challenged“ ist dabei eins der besseren Beispiele, denn trotz dieser Einschränkung ist die Serie technisch und inhaltlich überzeugend. Innerhalb einer Folge werden nur sehr wenige Figuren und Szenenwechsel gezeigt; eine Episode beschränkt sich in der Regel auf einen einzelnen kurzen Handlungsbogen, manchmal sogar auf eine einzige Unterhaltung (wie beispielsweise in der Episode 18), sodass die Aufmerksamkeit des Zuschauers dabei auf ein einziges Ereignis fokussiert wird. Zwischen einzelnen Folgen (und entsprechend auch Ereignissen), die in einigen Fällen fast nahtlos aneinandergereiht werden, wird auch mal ein kleiner Zeitsprung (wie etwa zwischen den Episoden 6 und 7) gemacht, sodass der Zuschauer die kleinen Handlungslücken selbst zu Ende denken muss. Außerdem ist die Serie locker und ironisch erzählt und funktioniert vermutlich gerade deswegen sehr gut im Rahmen einer Plattform wie Instagram.

Abschließend bleibt anzumerken, dass trotz dieses gelungenen Beispiels nicht jede Geschichte – und mit Sicherheit auch nicht jedes Genre – in einem Kurzformat umgesetzt werden kann oder sollte. Im Vergleich zu regulären Webserien, die auf YouTube oder Vimeo veröffentlicht werden, müssen solche Konzepte wie „Artistically Challenged“ ihre Botschaft viel klarer und kurzweiliger kommunizieren, um den Nutzer innerhalb nur weniger Sekunden für sich zu gewinnen. Ob ultrakurze Webserien es tatsächlich schaffen, nachhaltig zu einem festen Bestandteil von sozialen Netzwerken zu werden, oder inwiefern es sich nur um einen kurzzeitigen Trend handelt, bleibt abzuwarten.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 32
Episodenlänge: ca. 15 Sekunden
Zuerst gezeigt: Über die Smartphone-App Instagram
Produktionsteam: Aleks Arcabascio, Jeremy Boros, Michael Deigh
Jahr: 2014
Genre: Comedy
Abrufbar unter: www.actheseries.com (Zugriff: 17.10.2016)

Maria Malzew, 14.11.2016

Prom Queen [ENG]

Handlung

Im Mittelpunkt von Prom Queen stehen zehn Jugendliche, die sich kurz vor ihrem Highschool-Abschluss befinden. Es geht sowohl um Konflikte mit den Eltern, erste Liebesbeziehungen und die Suche nach der eigenen Identität als auch um die nächste große Sportveranstaltung, coole Poolpartys und die Vorbereitung des Abschlussballs. Adoleszenz-Geschichten, aufgelockert durch Themen des Highschoolfilms. Doch die Inszenierung von Coming-of-Age-Motiven wird mit einem mysteriösen Crime-Plot verwoben: Ausgerechnet für den Tag des Abschlussballs kündigt ein mysteriöser Unbekannter einen Mord an, in den mindestens eine der Hauptfiguren verwickelt werden soll.

Die zweite Staffel Prom Queen: Summer Heat knüpft an die erste Staffel an und zeigt die Highschool-Absolventen bei einer Abschlussfahrt. Im Mittelpunkt der dritten Staffel (Prom Queen: Homecoming) steht dann die Aufklärung des Mordanschlags aus der ersten Staffel sowie eines weiteren Gewaltverbrechens im Rahmen eines ‚Proms‘.

Prom Queen kann als eines der bekanntesten und beliebtesten frühen Webserien-Franchises verstanden werden. Laut Angaben der Produzenten aus dem Jahr 2012 wurde die erste Staffel von Prom Queen über 40 Millionen Mal angeschaut. Zudem wurden die verschiedenen Staffeln der Webserie weltweit ‚zweitverwertet‘ und liefen nach der Erstveröffentlichung im Netz beispielsweise im französischen oder japanischen Fernsehen. 

Distribution und Vermarktung

Die ersten beiden Staffeln von Prom Queen liefen auf Myspace sowie auf der eigenen Website „Promqueen.com“. Die letzte Staffel der Webserie wurde über die Webseiten der nordamerikanischen TV-Sender CW Televison Networks und City TV veröffentlicht. Eine besondere Verknüpfung mit dem Portal MySpace war in der ersten Staffel dadurch gegeben, dass die Figuren der Serie über eigene Myspace-Profile und Video-Blogs verfügten. Die fiktionalen Charaktere wurden jenseits der Serie wie reale Netzidentitäten inszeniert. Somit wurde nicht nur die Grenze zwischen Fakt und Fiktion aufgeweichtv, sondern auch eine verstärkte Bindung zwischen realen MySpace-Usern und dem Erzählkosmos der Webserie ermöglicht (ausführlicher zur medialen Rahmung von Prom Queen vgl. Kuhn: 2014).

Prom Queen wurde von vornherein professionell vermarktet. Der Limonadenhersteller Pom Wonderful trat als einer der Hauptsponsoren der Webserie auf. Auch Textilunternehmen wie Victoria's Secret oder HotKiss unterstützten die Webserie finanziell. Im Gegenzug verpflichteten sich die Produzenten von Prom Queen dazu, die Produkte der genannten Firmen werbewirksam in der Webserie zu platzieren. Neben diesem wirkungsvollen Product-Placement wurden ebenfalls Merchandise-Artikel über die Prom-Queen-Homepage vertrieben.   

Nach der Produktion der zweiten Staffel Prom Queen: Summer Heat wurde das Serienformat 2008 nach Japan verkauft, wo die Webserie unter dem Titel Tokyo Prom Queen (2008-2009) neu aufgelegt wurde. Im Jahr 2010 folgte dann eine dritte Staffel mit dem Titel Prom Queen: The Homecoming, die die Storyworlds von Prom Queen und der beliebten Webserie Sam has 7 Friends zusammenführte, die von den Prom-Queen-Produzenten im Jahr 2006 gestartet worden war und in 80 Episoden von den letzten Tagen im Leben einer jungen Schauspielerin erzählt.

Genre, Dramaturgie und narrative Struktur

In der ersten Folge der ersten Staffel („The Long Walk“) wird eine mysteriöse Spannung aufgebaut, die erst spät, am Ende der 80 Folgen umfassenden ersten Staffel, wieder aufgelöst wird – und dort auch nur teilweise, sodass einige der Handlungsfäden in der dritten Staffel wieder aufgenommen werden können. Die eigentliche Exposition beginnt schließlich mit der zweiten Folge („Teenage Wasteland: The Video Yearbook“): Die britische Gaststudentin Danica Ashby geht mit einer Digitalkamera durch die Schule und konfrontiert ihre amerikanischen Mitschülerinnen und Mitschüler mit Fragen nach der Bedeutung des bald anstehenden Abschlussballs. Die Figuren, die dabei vorgestellt werden, erinnern an das prototypische Personal aus Highschool-Filmen oder -Serien: Lauren Holland, der 'Klassenschwarm', Chat Moore, der 'professionelle Athlet', Sadie Simmons, die politische Aktivistin...

Die Erzählung greift im weiteren Verlauf immer wieder verschiedene stereotype Elemente dieses Subgenres des Teenpics auf und verdichtet diese. Der Handlungsraum ‚Highschool‘ spielt dabei eine wichtige Rolle: Solche Bereiche wie der Klassenraum, der Sportplatz oder der Flur mit Schließfächern werden als zentrale Orte der Begegnung und Auseinandersetzung zwischen den Schülern inszeniert. Zudem dient das Motiv des Abschlussballs als wichtige Verknüpfung. Dies wird beispielhaft in der zweiten Folge der Webserie deutlich, wenn Danica ihre Mitschüler zu dem anstehenden Prom befragt. Hierbei treten zum einen unterschiedliche Einstellungen der Schüler zu diesem ‚Ritual‘ hervor, zum anderen wird aber auch deutlich, dass keiner der Highschool-Absolventen diesem völlig gleichgültig entgegentritt. Eine SMS, die die Figur Ben Simmons am Schluss der zweiten Folge erhält, lädt den Ball und die Wahl zur Prom Queen mit zusätzlicher Bedeutung auf: „U r going 2 kill the prom queen“, schreibt ein „unknown user“. So etabliert die SMS den Ball als zentrales Ereignis der Erzählung, das zwei entscheidende Handlungsbögen verbindet: Die Fragen nach dem Ausgang der Wahl zur Promqueen und den Hintergründen der angedrohten Gewalttat.

Die ersten 15 Folgen der ersten Staffel führen weitere genretypische Subplots ein. Dazu zählen das Liebes- und Beziehungsmotiv oder – sehr zentral – das Motiv der Metamorphose. Die Schülerin Sadie Simmons entspricht aufgrund ihres Interesses an Politik und ihres alternativen Kleidungsstils nicht den Normvorstellungen von Peer-Groups wie ‚den Sportlern‘ oder ‚den Cheerleadern‘, die im sozialen Gefüge der Highschool als besonders ‚hip‘ gelten. Am Ende der ersten Staffel erlangt sie aber trotzdem die Anerkennung aller Mitschüler, indem sie sich in eine ‚Abendkleidprinzessin‘ verwandelt, die große Chancen hat, die Wahl zur Promqueen zu gewinnen.

Die Merkmale des prototypischen Highschool-Films sind insgesamt so deutlich und zahlreich, dass man Prom Queen (ganz ähnlich wie Riley Rewind) als Netztransformation eines Highschool-Films einordnen kann. Die Typisierung der Figuren und die unmittelbare Vertrautheit resultieren aus der Etikettierung der Figuren mit typischen Eigenschaften aus Highschool- und Jugendfilmen. Durch wenige Andeutungen kann so ein konventionelles Handlungsschema etabliert werden, mit dem im Laufe des Plots gespielt wird (ausführlicher zu Genre-Referenzen in Prom Queen vgl. Kuhn 2014).

Die zweite Staffel spielt dann nicht mehr im Handlungsraum der Highschool, sondern zeigt, wie verschiedene Figuren aus der ersten Staffel auf einer Jahrgangsreise nach Südmexiko ihren Abschluss feiern. Erneut bedient sich die Webserie bei Versatzstücken von Jugend- und Highschool-Filmen wie z.B. Fast Times und Spring Breakers, die gemeinsames Feiern von Schülern und Studenten in den Mittelpunkt stellen. Dementsprechend vermittelt die zweite Staffel wesentlich mehr explizite Inhalte, indem gezeigt wird, wie die Jugendlichen Alkohol trinken, Drogen konsumieren oder erste sexuelle Erfahrungen sammeln. Wie in der ersten Staffel kommt es erneut zum Einbruch von Gewalt und krimineller Energie in die ‚heile Welt‘ der Teenager, als sich herausstellt, dass ein Mörder unter den Reisenden ist. Im Mittelpunkt der dritten Staffel steht dann wiederum Sadie, die bereits eine zentrale Rolle in der ersten Staffel gespielt hat und nun an den Ort der Verbrechen zurückkehrt. Neben Elementen des Coming-of-Age-Films werden in der dritten Staffel insbesondere Genre-Elemente aus Detektiv-Filmen und -Serien eingesetzt.

Ästhetik

Die Ästhetik der Webserie orientiert sich über weite Strecken an den Konventionen des amerikanischen Highschool-Films: Dies wird im rasanten Schnitt, der Unterlegung mit atmosphärischer Popmusik und nicht zuletzt im genretypischen Casting deutlich. Nahezu alle Darsteller entsprechen einem normativen Schönheitsideal, zusätzlich wird auch der Kleidung der Figuren ein großer Wert eingeräumt. Dies ergibt sich auch aus den  Kooperationen mit den genannten Sponsoren aus der Textilindustrie (siehe oben) sowie mit einem Online-Versandhandel namens StarStyle.com, bei dem während der ersten Staffel über eingebettete Werbeanzeigen von den Figuren getragene Kleidungsstücke direkt bestellt werden konnten. Prom Queen bot somit eine fragwürdige Art der Partizipation, indem Schauspieler gleichzeitig als Models funktionalisiert wurden, die den Zuschauern ausgewählte Produkte vorführten und so zum Kauf anreizen sollten.
 
Angaben

Staffeln: 3
Episoden: 80 (Prom Queen), 15 (Prom Queen: Summer Heat),
22 (Prom Queen: Homecoming)
Episodenlänge: 1-1,5 Min.
Erscheinungsrhythmus: nicht mehr genau zu recherchieren
Zuerst gezeigt auf: MySpace
Drehbuch: Doug Cheney,
Produktion: Big Fantastic
Jahr: 2007
Genre: Mystery, Teen-Pic

Abrufbar unter:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLB9A49DF603AE11A3 (in Deutschland nicht verfügbar) (Zugriff: 19.01.2015)

Sonstige Quellen:

 

Sekundärliteratur (Auswahl):

Markus Kuhn (2013): „Von einsamen Mädchen, Prom-Queens und 'coolen Säuen'. Die Webserie als neue serielle audiovisuelle Erzählform im Internet“, in: Kracke, Bernd/Ries, Marc (Hgg.), Expanded Narration. Das neue Erzählen, Bielefeld: transcript 2013, S. 305-321. Englische Übersetzung in dem gleichen Band: "Of Lonely Girls, Prom Queens, and Cool Guys: Web Series as a New Audiovisual Form on the Internet", S. 287-303.

Markus Kuhn (2014): „Der Einfluss medialer Rahmungen auf das Spiel mit Genrekonventionen. Die Webserie Prom Queen als Transformation des Highschool-Films im Internet“, in: Henke, Jennifer/Krakowski, Magdalena/Moldenhauer, Benjamin/Schmidt, Oliver (Hgg.), Hollywood Reloaded. Genrewandel und Medienerfahrung nach der Jahrtausend­wende, Marburg: Schüren 2013, S. 192-217.

Markus Kuhn/Andreas Veits

(Dieser Blogeintrag basiert weitgehend auf wissenschaftlichen Arbeiten von Markus Kuhn, die unter dem Punkt „Sekundärliteratur“ verzeichnet sind.)