Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

MANN/FRAU

Handlung

MANN/FRAU erzählt abwechselnd die Geschichten von zwei namenlosen Singles. Sie haben beide nicht nur mit ihrem wechselhaften Liebesleben zu kämpfen, sondern auch mit Problemen der Selbstfindung. In durchfeierten Nächten und bei schlechten One-Night-Stands müssen die nur als Mann und Frau benannten Figuren Erfahrungen des Scheiterns machen, sich die wichtigen Fragen des Lebens stellen und akzeptieren, dass die Liebe kein individuell gemixter Drink ist, den man samt gutem Ratschlag vom Barmann oder der Barista bestellen kann.

Produktion

Die Webserie MANN/FRAU wurde von Christian Ulmens Produktionsfirma Ulmen Television GmbH im Auftrag des Bayrischen Rundfunks und dessen Tochtersender Puls, dem „jungen Programm des Bayrischen Rundfunks“, realisiert. Die Autoren Jana und Johann Buchholz haben das Schreiben des Drehbuchs und die Dreharbeiten in jeweils ein auch entsprechend besetztes Frauen- und Männerteam aufgeteilt, sodass die Produktion zweigleisig stattfand. In den Hauptrollen sind die noch eher unbekannten Lore Richter und Mirko Lang zu sehen, während einige Nebenfiguren mit bekannteren Gesichtern besetzt sind: Produzent Christian Ulmen, der aus zahlreichen Kinofilmen und TV-Shows bekannt ist und bereits 2012 die Webserie „Die Snobs“ realisierte, steht Mann mit guten Ratschlägen als Barmann zur Seite. Seine Frau Collien Ulmen-Fernandes, eine bekannte Fernsehmoderatorin und Schauspielerin, spielt die beste Freundin der weiblichen Hauptfigur. Darüber hinaus übernahm der „Supergeil-Opa“ Friedrich Liechtenstein, der besonders dem jüngeren Publikum aus einer viralen Marketingkampagne bekannt ist, die Rolle des schrullig-skurrilen Nachbars. 

Distribution und Vermarktung

Wöchentlich erscheinen zwei Folgen am selben Tag, davon jeweils eine aus der Perspektive des Mannes und der Frau. Die Serie ist zwar explizit für das Web konzipiert, wird jedoch mit leichter Verzögerung auch im BR ausgestrahlt. Die Serie wird auf einem eigenen Blog des BR mithilfe einer Youtube-Einbettung veröffentlicht und von Hintergrundinformationen über die Figuren und Extras wie Interviews, Psychotests („Welche Folge passt zu dir?“) und Spotify-Playlists begleitet.

Dramaturgie und narrative Struktur

Die Erzählperspektiven von Mann und Frau wechseln sich von Folge zu Folge ab. Zunehmend vermischen sich dabei aber die Erzählstränge, als sich die Figuren bei einer Party über den Weg laufen. Durch ständige Ebenenwechsel kommentieren Mann und Frau aus einer Metaebene heraus ihre Erfahrungen: Das Hin und Her zwischen Selbstzweifeln und Rechtfertigungen wird von den vielen Schnitten und wechselnden Schauplätzen unterstützt. Oft werden die sprachlichen Erzählungen der Hauptfiguren, die sie häufig an das Barpersonal richten, durch kürzeste Rückblenden bebildert. Die inneren Konflikte der Figuren werden durch assoziative Fotomontagen und Sounds, sowie durch das Durchbrechen der vierten Wand und der Erzählchronologie verdeutlicht.

Sonstige Anmerkungen

Die Ausrichtung auf das digitalisierte, schnelllebige Großstadtleben ist nicht nur formal anhand der Mobile-freundlichen Folgenlängen von etwa drei Minuten bemerkbar, sondern auch in der Geschichte von Mann und Frau. Die Einbindung von digitaler Kommunikation via Facebook, Skype und Smartphone in der Diegese macht selbstreflexiv auf die mediale Umgebung der Webserie aufmerksam. So schnell wie ein Schnitt auf den nächsten folgt, stürzen die Protagonisten von einer Katastrophe in die nächste, wobei sie ihr Selbstbewusstsein im Umgang mit dem anderen Geschlecht zunehmend in Frage stellen. Was zunächst wie eine klischeebehaftete Gegenüberstellung vom geschlechterspezifischen Umgang mit dem Singledasein erscheint, ist von den Autoren Jana und Johann Buchholz anders konzipiert: Mann und Frau ähneln sich weitaus mehr, als die namenlosen und typisierten Figuren vermuten lassen. So ganz kann sich die Webserie aber doch nicht von Geschlechterklischees losmachen: Mann versucht seine Probleme bei Pornos und Alkohol zu vergessen, beim Mädelsabend wird beschlossen, dass Socken beim Sex „gar nicht gehen“, und die schwierige Lebensaufgabe von Frauen sei es, Dauersingles zum heiratswilligen Traummann umzuerziehen.
Im Januar 2015 kündigte der BR die Planung einer zweiten Staffel an, der Sendestart wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben.


Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 20
Episodenlänge: ca. 3 Min. [Ø 2:45]
Erscheinungsrhythmus: 2 Folgen wöchentlich (erscheinen am gleichen Tag)
Zuerst gezeigt auf: blog.br.de/mannfrau
Regie: Jana Buchholz, Johann Buchholz
Produktion: Ulmen Television GmbH
Jahr: 2014
Genre: Comedy/Soap


Abrufbar unter:

blog.br.de/mannfrau
https://www.youtube.com/playlist?list=PLBKJiSqm23i3OPQJNtm9S3Xc6Rh6B5UsC
(Zugriff: 22.01.2015)


Sonstige Quellen:

http://www.br.de/puls/tv/mannfrau/index.html
https://www.facebook.com/mannfrau
http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/mannfrau/christian-ulmen-interview-webserie-mann-frau-100.html
http://www.br.de/presse/inhalt/pressedossiers/mann-frau-puls-und-bayerisches-fernsehen-100.html

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/mannfrau/mann-frau-jana-johann-buchholz-web-first-serie100.html
(Zugriff: 22.01.2015)


Lisa Schachtschneider, 22.01.2015