Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Deliver me to Hell [NZ]


Handlung


Die Produktion besteht aus insgesamt sechs Episoden, die eine zusammenhängende Handlung ergeben und wurde von einer neuseeländischen Pizza-Firma als Werbemittel in Auftrag gegeben. Deliver me to Hell erzählt dabei vom zuverlässigsten Arbeitnehmer des Unternehmens, dem Pizzalieferanten Steve, der sich selbst von einer ausbrechenden Zombie Apokalypse nicht abhalten lässt, seine Waren auszufahren. Auf dem Weg zu seinen Kundinnen stellen sich Steve durch die menschenfressenden Untoten verschiedene Hindernisse in den Weg. Inhaltlich bietet die Webserie viel Konventionelles, die Handlung ist im Genre der Splatter-Comedy zu verorten. Der Clou der Webserie, die im Internet auch als „Interactive Adventure“ beworben wurde, sind Entscheidungssequenzen, welche die Entwicklung der weiteren Geschichte jeder Folge beeinflussen. Durch das Annotationssystem von YouTube wird in jeder Folge eine bestimmte Eingabe vom User abgefordert, die darüber verfügt, wie Protagonist Steve sich in einer meist lebensbedrohlichen Situation verhalten soll.

Anmerkungen


Im Folgenden wird eine kurze Beschreibung einer Einzelfolge von Deliver Me to Hell gegeben, um darauf aufbauend genauer auf das interaktive Potential der Webserie einzugehen. In der zweiten Episode gelangt Steve mit einem weiteren Überlebenden (Jason) in eine abgelegene Bowling-Bahn und wird von Untoten überrascht. Jason wird von einem Zombie angefallen und kann sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Die Kamera zeigt zum Ende der Folge zuerst eine Nahaufnahme von Steve, der sich mit einem Stuhl bewaffnet hat, um seinem Freund zu helfen. Danach sieht man eine weitere Aufnahme von Jason, wie er sich mit letzter Kraft die angreifenden Zombies vom Leib hält und Steve dazu auffordert, eine der Bowlingkugeln als Schlagwerkzeug einzusetzen, um die Untoten in die Flucht zu schlagen. Danach wird ein Standbild gezeigt, in dessen Mittelpunkt zwei voneinander separierte Texttafeln mit den Worten „USE BOWLINGBALL“ und „USE THE CHAIR“ zu sehen sind. Gleichzeitig ertönt aus dem Off eine Stimme, die die Userinnen auffordert, durch das Anklicken einer der Texttafeln die Aktion auszuwählen, die Steve dann in der Handlung der fiktiven Welt ausführen soll. Nach der Entscheidung wird automatisch auf ein neues Video verlinkt, das die entsprechende Handlung mitsamt den sich aus der getroffenen Auswahl ergebenen Konsequenzen vermittelt. Die Wahlmöglichkeiten sind also relativ eingeschränkt und konzentrieren sich auf die Selektion an einer Einzelstelle der Handlung. Zudem ist die Webserie derart aufgebaut, dass nur eine der Auswahlmöglichkeiten zu einer (langfristigen) Fortsetzung der Erzählung führt. Entscheidet man sich beispielsweise in der oben erwähnten Sequenz dazu, die Texttafel „USE BOWLINGBALL“ anzuklicken, wird man auf ein Video weitergeleitet, das zeigt, wie Jason versehentlich von Steve mit dem Sportgerät am Kopf getroffen wird und schließlich beide von den Zombies gefressen werden. Am Ende dieses Clips wird dann eine Rückblende eingesetzt, die im Schnelldurchlauf die Handlung des Videos rückwärtslaufen lässt und dann wieder mit den Auswahlmöglichkeiten der vorherigen Folge endet. Nach jeder ‚falschen Entscheidung‘ bricht die Handlung der Webserie also nicht ab, sondern die Userinnen werden aufgefordert, ihre Auswahl zu korrigieren, um Steve so vor dem Ableben zu bewahren. Die Webserie operiert somit zwar mit dichotomen Entscheidungssequenzen, es wird durch die audiovisuelle Vermittlung sowie durch die Hypertext-Struktur jedoch eine spezifische feststehende Erzählung kommuniziert, die durch die Userinnen durch ein Trial-and-Error-Verfahren ‚entdeckt’ werden muss. Somit handelt es sich bei Deliver me to Hell um eine Webserie mit einem eher gering ausgeprägten interaktiven Potential, weil die Entscheidungen graduell wenig Einfluss auf die erzählte Welt der Webserie haben.

Angaben


Staffeln: 1
Episoden: 6
Episodenlänge: min. 3 - 4
Erscheinungsrhythmus: Unregelmäßig
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Produktion: HellPizzaNZ
Jahr: 2011
Genre: Interaktiv, Comedy, Horror,
Abrufbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=9p1yBlV7Ges (Zugriff: 21.11.2016)
Sonstige Quellen:
http://theinspirationroom.com/daily/2010/hell-pizza-zombie-adventure-deliver-me-to-hell/ (Zugriff am 31.03.2016)

Sekundärliteratur:

Andreas Veits. “Telltale Games Series. Zum Verhältnis von seriellen Computerspielen und interaktiven Webserien”, in: C. Benthien/G. Klein (Hgg.): Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen, München: Fink 2017 (im Druck).

Andreas Veits, 21.11.2016
(Dieser Blogeintrag basiert weitgehend auf wissenschaftlichen Arbeiten von Andreas Veits, die unter dem Punkt 'Sekundärliteratur' verzeichnet sind.)