Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Das Wurmloch

Handlung

Die Geschwister Lasse und Jette wohnen gemeinsam mit ihrem Freund Dietrich in einer Wohngemeinschaft. In einem Schrank in der Küche verstecken die drei ein Wurmloch, das Reisen durch die Zeit ermöglicht und sich seit Generationen im Besitz von Jettes und Lasses Familie befindet. Die Verwendung des ‚Raum-Zeit-Portals‘ wurde den Geschwistern allerdings von ihrem Großvater strengstens verboten. Ein unerwarteter Zwischenfall nach einer WG-Party zwingt Jette und Dietrich dennoch dazu, eine Reise in die Vergangenheit zu wagen, woraufhin sich die drei Mitbewohner den ungeahnten Konsequenzen und Gefahren dieses Abenteuers stellen müssen.

Produktion, Distribution und Vermarktung

Die Webserie Das Wurmloch wurde von Grabow & Bartetzko Filmproduktion in Zusammenarbeit mit Endemol Beyond und der Hochschule für Fernsehen und Film München produziert. Das Skript der Serie lieferten Studierende der Hochschule, die sich im Rahmen eines Nachwuchsförderungswettbewerbes erfolgreich gegen ihre Mitbewerber durchsetzen konnten.

Die 8 Webisodes wurden ab dem 08. August 2014 wöchentlich Freitags um 18 Uhr auf dem Youtube-Channel Short Cuts veröffentlicht, der von der Endemol-Tochterfirma Endemol Beyond betrieben wird.

Genre

Bei Das Wurmloch handelt es sich um eine Hybrid-Form der Genres Science Fiction und WG-Serie. Die Webserie enthält außerdem Elemente verschiedener anderer Genres wie Comedy oder Fantasy.

Narrative Struktur

Die Handlung der Webserie beginnt relativ unvermittelt. In einer kurzen Szene sieht man junge Menschen zu lauter Musik feiern und tanzen. Dann beginnt das Bild plötzlich zu flackern, ein rückwärts laufender Zeitraffer leitet den Vorspann ein und verweist bereits auf das Leitmotiv des Zeitreisens, das im weiteren Verlauf der Serie etabliert wird. Dann beginnt der eigentliche Plot: Die drei Mitbewohner befinden sich wieder in der gemeinsamen WG-Küche und lassen die vergangene Party Revue passieren. Sie sind zunächst ähnlich ahnungslos wie die Zuschauer und versuchen, anhand von Indizien und Gesprächen die Ereignisse der letzten Nacht zu rekonstruieren. Mithilfe von Flashbacks werden die Erinnerungen der drei visualisiert. Diese wirken bruchstückhaft und liefern ebenfalls keine umfassende Erklärung für die Erlebnisse der letzten Nacht. Die Rückblenden vermitteln dabei in etwa so viel, wie die Protagonisten zu wissen scheinen. Die Informationsrelation zwischen Zuschauer und Protagonisten wird durch diese narrative Strategie folglich aneinander angenähert, ohne dabei die zunächst bestehenden Erinnerungslücken restlos aufzuklären.

Die Inhalte der Flashbacks werden im Verlauf der Serie teilweise wieder aufgegriffen und bekommen durch die Reisen in die Vergangenheit andere Bedeutungen zugewiesen, als zunächst durch die zusammenhangslosen Erinnerungsfetzen angedeutet wurde (z. B. ein Kuss zwischen Jette und Dietrich in Folge 1 und die Aufklärung, wie es dazu kam, in Folge 2). Während sich die drei unterhalten, fällt Lasse plötzlich bei dem Versuch eine Lichterkette abzumontieren von einem Stuhl und stirbt. Ihre Verzweiflung zwingt Jette und Dietrich dazu, die erste Reise in die Vergangenheit zu wagen, um die Lichterkette abzunehmen, damit Lasse gar nicht erst auf den Stuhl steigen und sich das Genick brechen kann. Damit retten die beiden Lasse zwar das Leben, lösen aber gleichzeitig eine Kette von Ereignissen in der Gegenwart aus. Diese massiven Veränderungen der Zeit, die sich aus kleinsten Eingriffen in die Vergangenheit ergeben können, sind ein wesentliches Handlungselement der Serie. Die ethische Frage nach der Rechtfertigung solcher Veränderungen wird im Verlauf der Handlung immer wieder thematisiert. Beispielsweise stellt Lasse in Folge 8. die Frage, was schon das Schicksal eines einzelnen Menschen im Vergleich zu dem der ganzen Menschheit bedeute.

Die Zeitreisethematik spiegelt sich außerdem in der nicht linearen Erzählweise der Serie wider. So wird, wie bereits erwähnt, in Folge 1 mit Rückblenden gearbeitet, um in die Handlung einzuführen. Ab Folge 3 beginnt außerdem jede Folge mit einer Vorausdeutung auf eine brenzlige Situation in der Zukunft, gefolgt von einem rückwärtslaufenden Zeitraffer und dem Vorspann. Dann setzt die Basishandlung ein und es wird erzählt, wie es zu den (in der Vorausdeutung vermittelten) Ereignissen kommen konnte. Die 5. Folge startet beispielsweise damit, dass die drei Mitbewohner mit einer Waffe bedroht werden. Der Zuschauer sieht, dass die Figuren ihren Angreifer erkennen, kann seine Identität allerdings zunächst nicht ausmachen, da nur ein Arm mit einer Pistole in der Hand im Bild zu sehen ist. Am Ende der Folge stellt sich heraus, dass es sich bei dem Schützen um einen Nachbarn der Wohngemeinschaft handelt, der in der Folge zuvor das Wurmloch im Schrank entdeckt hat und daraufhin den Verstand zu verlieren scheint. Diese Art der Informationsvergabe wird typischerweise in Thrillern oder Kriminalgeschichten eingesetzt, um Spannung beim Zuschauer zu erzeugen. Zudem funktioniert die beschriebene Szene als Cliffhanger, da die Handlung der Folge unvermittelt abbricht, und erst in der darauffolgenden Episode erzählt wird, wie die Mitbewohner den Angreifer überwältigen.

Ästhetik

Auffälligkeiten in der audiovisuellen Gestaltung zeigen sich vor allem in der Umsetzung der Zeitreisethematik. Es werden v.a. Zeitraffer und entsprechende Soundeffekte eingesetzt, um die Zeitreisen zu verdeutlichen. Zudem werden Slow- Motion-Animationen/Aufnahmen verwendet, um den ohnehin schon spannenden Momenten eine besondere Dramatik zu verleihen, wie z. B. während des Schusswechsels zu Beginn von Episode 6. Bei der Umsetzung der Science Fiction-Elemente wird mit einfachen visuellen Effekten gearbeitet. Das titelgebende Wurmloch wird beispielsweise durch simple Wisch-Effekte dargestellt, die so funktionalisiert werden, dass der Eindruck entsteht, es würde Materie in sich hinein ziehen (vgl. z. B. Folge 2).

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 8
Episodenlänge: 4-7 min. (Ausnahme: Folge 8:20 min.) [Ø 5:61]
Erscheinungsrhythmus: wöchentlich
Zuerst gezeigt auf: Youtube
Produktion: Grabow & Bartetzko Filmproduktion, Endemol Beyond, Hochschule für Fernsehen und Film München
Jahr: 2014
Genre: Science Fiction, WG-Serie, Comedy

Abrufbar unter:

https://www.youtube.com/playlist?list=PL_ozKWLFsMn_cvWmBdYYj7FNdifaeZzqR
(Zugriff: 22.01.2015)

Sonstige Quellen:

Endemol News, 2014
(Zugriff: 22.01.2015)

Julia Weber, 12.02.2014.