Mit dem WebserienBlog dokumentieren wir die deutschsprachige Webserienlandschaft und ausgewählte internationale Webserien [mehr über das Projekt].

Jeff 1000 [ENG]

Handlung

Der ehemalige Industrieroboter Jeff ist nach Los Angeles gezogen, um dort Schauspieler zu werden. In seiner ersten Rolle spielt er an der Seite von Summer Glau einen Roboter, der Menschen hasst. Abseits des Sets haben Jeff und Summer, die sich in der Serie selbst spielt, ein intimeres Verhältnis. So lädt sie ihn z.B. zu der Vernissage ihres Ex-Freundes ein. Wie glücklich Jeff mit seiner Rolle als bester Roboter-Freund ist, lässt sich nach einer Vorstellungssequenz, in welcher er den Kopf des Ex-Freundes von dessen Rumpf schießt, schnell erahnen.

Produktion

Die Serie wurde von Michael Karnow kreiert, der sich mit der Science-Fiction-Serie Alphas bereits einen Namen gemacht hat. Produziert wird sie vom US-amerikanischen Technologie-Magazin Wired, auf dessen Website und YouTube-Kanal die Serie am 15.12.2014 veröffentlicht wurde.

Aushängeschild der Serie ist die aus US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserien bekannte Summer Glau (u.a. Angel, Firefly und Terminator), auf die in einer selbstironischen Art auffallend häufig mit vollem Namen verwiesen wird. Dies gilt innerhalb wie außerhalb der Handlung: so enden auch alle Episodentitel mit „Jeff 1000 Starring Summer Glau“. Der Ex-Freund von Summer Glau wird von David Arquette gespielt (u.a. Scream 1-4 und Arac Attack).

Dramaturgie und narrative Struktur

Die Serie besteht aus 3 Kernepisoden und 3 "Behind the Scenes". Das Besondere und zugleich Verwirrende an letzteren ist, dass sie keine tatsächlichen Behind the Scenes darstellen, sondern die bestehende Welt um eine weitere fiktionale Ebene erweitern. Zusammen mit dem ‚Film im Film‘, dessen Dreharbeiten in den Kernepisoden zu sehen sind, ergeben sich insgesamt drei fiktionale Erzählebenen.

In den drei Kernepisoden spielt Jeff einen liebenswürdigen Roboter, der früher Autos zusammengebaut hat und jetzt seinen Traumberuf als Schauspieler ausübt. Innerhalb dieser Rahmenhandlung dreht Jeff zusammen mit der Schauspielerin Summer Glau, die sich hier selbst spielt, einen düsteren Science-Fiction-Film, der wiederum an Filme wie Terminator erinnert. Ergänzt wird das Figurenensemble durch Summer Glaus namenlosen Ex-Freund, der nicht im Film mitspielt und einen Groll gegen Jeff hegt.

In den Behind the Scenes geht es nicht um die Herstellung des Films im Film, sondern um die Herstellung der Webserie Jeff1000, die in den Kernepisoden zu sehen ist. Allerdings wird dabei die Fiktion aufrecht erhalten, dass Jeff ein schauspielender Roboter sei.

Auf dieser Erzählebene treten neben Summer Glau und David Arquette auch alle anderen realen Beteiligten wie Regisseur Nick Copus und Produzent Michael Karnow auf und sprechen über die Arbeit mit Jeff. Es stellt sich heraus, dass eigentlich niemand weiß, wo Jeff herkommt.

Die in den Kernepisoden angelegten Figurenkonstellationen spiegeln sich auch in den pseudo-authentischen Interviews innerhalb der Behind the Scenes wieder. Summer Glau hat auch hier ein nicht zu übersehendes Interesse an dem zärtlichen Roboter. David Arquette’s Neid wird auf dieser Ebene fortgetragen, indem er immer wieder abfällig über Jeffs eingeschränkte Schauspielfähigkeiten spricht.

Zusätzlich scheinen die Stars auf dieser Ebene Angst vor ihrem Roboterkollegen zu haben, weichen jedoch entsprechenden Fragen in den Interviews aus. Produzent Michael Karnow erzählt allerdings, dass Jeff früher einmal versehentlich auf einen Assistenten am Set getreten sei, welcher daraufhin verstarb. VFX Technical Advisor Matt Winston sagt, dass Jeff sehr sensibel in Bezug auf sein Schauspiel sei und er diesen daher lieber nicht kritisiere. Immerhin würde er alles mit seinen Roboteraugen mitschneiden.

Genre

Jeff1000 zeigt je nach Erzählebene unterschiedliche Genre-Merkmale, die teils auf parodierende Weise aufgegriffen werden.

Die Kernepisoden sind als Comedy-Serie angelegt, die mit dem Roboter Jeff ein Science-Fiction-Element integrieren. Der innerhalb der Serie produzierte Science-Fiction-Film wiederum erinnert mit einer Ästhetik aus dunklen Gassen und Nebelschwaden, die von roten Laseraugen durchstrahlt werden, an klassische Endzeit-Science-Fiction im Stil von Terminator.

Die Behind the Scenes zeigen wiederum Merkmale einer Mockumentary. Die Stars werden in Bezug auf Jeff interviewt und antworten, als ob er tatsächlich existiere. Die durchschimmernde Angst vor Jeff deutet an, dass die Stars in ihrem Lob einem Zwang unterworfen sind. Das kann als Anspielung auf die Lobeshymnen verstanden werden, die in Behind the Scenes-Produktionen üblicherweise auf alle Beteiligten gesungen werden.

Sonstige Anmerkungen

Insgesamt scheint die Serie die Produktionsweisen Hollywoods, den L.A.-Lifestyle und die damit zusammenhängende Selbstinszenierung der Stars zu parodieren. Dies wird in den Behind-the-Scenes-Episoden u.a. durch die abgedroschenen Floskeln verdeutlicht, die Summer Glau in Bezug auf Jeff äußert: Es sei unglaublich, mit ihm zu arbeiten, er habe eine solche Intensität, dass sie bei dem Betreten des Sets nicht anders könne, als in ihre Rolle zu fallen etc., während die Montage dazu den nichtssagenden Blick es Roboters zeigt. An einer anderen Stelle innerhalb von Jeff1000 fordert der Regisseur von Jeff, dass dieser die Zeile „Human Alert“ nicht nur sagen, sondern auch meinen soll; es ginge um das, was unter der Oberfläche liegt.

Angaben

Staffeln: 1
Episoden: 3 + 3 Behind the Scenes
Episodenlänge: 3 - 4 Min.
Erscheinungsrhythmus: Einmaliger Upload am 15.12.2014
Zuerst gezeigt auf: YouTube
Regie: Nick Copus
Produktion: Wired Magazine
Jahr: 2014
Genre: Science Fiction/ Comedy / Mockumentary / pseudo-authentisch
(Stand 24.04.2015)

Abrufbar unter:

Jeff 1000 auf Wired.com
Youtube
(Zugriff: 24.04.2015)

Sonstige Quellen

Informationen zu Jeff 1000 auf Summer Glau Fansite
Why 'Firefly' and 'Jeff 1000' Star Summer Glau Loves Making Sci-Fi | Indiewire.com
Summer Glau Tells io9 About Her New Robot Best Friend, Jeff 1000 | io9.com
Jeff 1000, The New Series From Wired Is … Hmm | Kritik | Newmediarockstars.com
(Zugriff: 24.04.2015)

Roland Cremerius, 19.05.2015